Mit dem Rad durch Berlin – und mitten hinein ins politische Herz

Am 7. Juni war ich bei der ADFC Sternfahrt in Berlin dabei, gemeinsam mit vielen Tausend anderen Radfahrenden. Es war toll.

Besonders beeindruckend war, wie anders Berlin wirkt, wenn die Stadt einmal nicht dem Auto gehoert. Mit dem Fahrrad auf der Avus fahren, die Heerstraße entlang, die sonst voll mit Verkehr sind, macht greifbar, worum es eigentlich geht: um Platz, Sicherheit, Teilhabe und eine lebenswerte Stadt.

Die Sternfahrt ist für mich nicht nur ein Event, sondern auch ein klares politisches Signal. Mobilitaetswende passiert nicht von allein. Sie braucht Druck, Sichtbarkeit und Menschen, die sich einmischen. Die Kampagne WÄHLT FRAUEN. war dabei und nicht zufällig gewählt – denn gerechte Politik braucht auch gerechte Repraesentation.

Und ja: Neben aller politischen Botschaft gab es auch diese leichten, schoenen Momente – Sommerhimmel, Gemeinschaftsgefühl, kleine Pausen, gute Energie und das Gefühl, Teil von etwas Groesserem zu sein.

Ich nehme aus diesem Tag vor allem eines mit: Veränderung entsteht dort, wo Menschen gemeinsam sichtbar werden.

Die Zukunft fährt Rad.

Welche Geschichte erzählen wir?

Unterwegs auf dem Weg zu Konzerten, bei Geburtstagen, beim Spaziergang, beim Radfahren, an Runden Tischen, am Lagerfeuer, bei PRÜF-Demos und beim CSD.

In diesen Bildern steckt vieles von dem, worüber ich seit einer Weile nachdenke:
Wie wir über unsere Zeit und die Gesellschaft sprechen.

Wie wir Probleme beschreiben. Wie wir auf Krisen schauen. Wie schnell Gespräche kippen in Erschöpfung, Empörung und Daueralarm. Wie häufig wir erzählen, was alles nicht funktioniert und wie selten wir gemeinsam darin verweilen, was entstehen könnte.

Ich merke das in politischen Räumen. In aktivistischen Kontexten. In Hochschulen. In Gesprächen mit engagierten Menschen. Und auch in mir selbst.

Natürlich braucht es klare Analysen. Natürlich dürfen wir nicht wegsehen. Diskriminierung verschwindet nicht, nur weil wir freundlicher sprechen. Antifeminismus, rechte Verschiebungen und Angriffe auf demokratische Werte sind real.

Aber ich frage mich zunehmend: Was passiert eigentlich mit uns, wenn unsere gemeinsamen Erzählungen fast nur noch aus Bedrohung bestehen?

Denn Narrative machen etwas mit Menschen. Sie prägen, worauf wir schauen. Was wir für möglich halten. Ob wir handlungsfähig bleiben. Oder ob wir irgendwann nur noch verwalten, verteidigen und reagieren.

Vielleicht brauchen wir andere Erzählungen? Nicht weniger Realität. Aber mehr Vorstellungskraft?

Mehr Räume, in denen wir nicht nur beschreiben, was uns Sorge macht, sondern auch, was wir schützen wollen.

Mehr Gespräche darüber, wie gerechte, eine sorgende und demokratische Gesellschaft aussehen könnte. Wie Beteiligung gelingen kann. Wie Vielfalt nicht nur Konflikt bedeutet, sondern auch Möglichkeit. Wie politische Teilhabe Freude machen darf.

Ich denke oft an den Satz: Menschen erzählen sich Geschichten, bis sie sie selbst glauben.
Leah Czollek sagte ihn einst zu mir.

Vielleicht gilt das auch gesellschaftlich.

Wenn wir uns ständig erzählen, dass alles zerfällt, dass niemand mehr zuhört, dass Engagement nichts bringt, dann stärkt es dieses Gefühl von Ohnmacht.

Und gleichzeitig sehe ich etwas anderes.

Ich sehe Menschen, die Veranstaltungen organisieren. Die sich einmischen. Die kandidieren. Die widersprechen. Die zuhören. Die neue Bündnisse bilden. Die Verantwortung übernehmen.

Ich sehe Menschen, die sich trotz Anfeindungen öffentlich positionieren. Ich sehe Studierende, die kluge Fragen stellen. Ich sehe Menschen, die Schutzkonzepte entwickeln, Demokratie verteidigen, Nachbarschaften stärken oder mit einem Bollerwagen durch Städte fahren, um mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Das alles ist auch Realität.

Vielleicht müssen wir lernen, diese Geschichten lauter zu erzählen. Nicht als naive Gegenwelt. Sondern als demokratische Praxis.

Denn Hoffnung entsteht selten zufällig. Sie entsteht oft dort, wo Menschen anfangen, gemeinsam andere Bilder von Zukunft zu erzählen, oder nicht?

Vielleicht ist genau das gerade eine wichtige Aufgabe: Nicht bei der Diagnose stehen zu bleiben. Sondern wieder mehr darüber zu sprechen, wie wir leben wollen.

Eine Gesellschaft, die schützt. Die Vielfalt nutzt. Die Macht reflektiert. Die Fürsorge nicht als Schwäche versteht. Und in der Menschen erleben, dass ihr Handeln einen Unterschied macht.

Welche Geschichte erzählen wir also?
Und vor allem: Welche Geschichte soll morgen geglaubt werden?

PRÜF HEUTE. SCHÜTZ MORGEN.

Auftakt der PRÜF-Demos in Potsdam

Gestern war ich beim Auftakt der PRÜF-Demonstration am Landtag in Potsdam. Viele Menschen sind gekommen – Es gab viele Plakate, gute Musik, und einen tollen Redebeitrag der Omas gegen rechts mit einer klaren Botschaft: Unsere Demokratie muss geschützt werden.

PRÜF steht für „Prüfung rettet übrigens Freiheit“. Die Initiative fordert, dass Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, vom Bundesverfassungsgericht überprüft werden. Ziel ist ein entsprechender Antrag über den Bundesrat.

Der Weg über den Bundesrat ist dabei entscheidend: Bundesländer können dort einen Antrag stellen, damit das Bundesverfassungsgericht prüft, ob eine Partei verfassungswidrige Ziele verfolgt. 

PRÜF!

Die Idee der Initiative ist bewusst einfach:

Menschen versammeln sich jeden zweiten Samstag im Monat in den Landeshauptstädten, um die Politik an ihre Verantwortung zu erinnern, die demokratische Ordnung zu schützen. 

Auch in Potsdam war die Stimmung entschlossen und solidarisch. Familien, Initiativen, Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche Gruppen – viele sind gekommen, um ein gemeinsames Zeichen zu setzen: Demokratie braucht Engagement.

Für mich war es ein starkes Signal, wie viele Menschen bereit sind, aufzustehen und sich einzumischen.

Ab jetzt sehen wir uns monatlich wieder:

📍 jeden zweiten Samstag

📍 14 Uhr

📍 am Landtag in Potsdam

Denn Demokratie lebt davon, dass wir sie gemeinsam verteidigen.

Mein PRÜF Plakat hat es sogar in den rbb geschafft 🥳

Ein Engagementpreis fürs Frauenzentrum

Wir sind sehr dankbar und bewegt: Das Frauenzentrum Potsdam wurde mit dem VGE Engagementpreis 2026 ausgezeichnet. Diese Anerkennung gilt der Arbeit vieler Jahre und vor allem den vielen Menschen, die dieses Haus tragen, gestalten und mit Leben füllen. Ein besonderer Dank gilt femia für die Nominierung beim VGE, für das Vertrauen, die Sichtbarkeit und die solidarische Unterstützung unserer Arbeit.

Der Preis würdigt Engagement, das oft leise, manchmal unbequem, aber immer notwendig ist: für Gleichstellung, für Schutz und Stärkung von Frauen, für solidarische Netzwerke und für eine demokratische Gesellschaft, die niemanden zurücklässt. Dass diese Arbeit gesehen wird, ist auch das Ergebnis starker feministischer Bündnisse. 

Diese Bündnisse sein keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Haltung, Beharrlichkeit, fachliche Klarheit und das Vertrauen darin, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Dass femia uns nominiert hat, ist Ausdruck genau dieser gemeinsamen Haltung.

Gleichzeitig ist klar: Unsere Arbeit braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Gemeinsam mit FPR und NbF stehen wir für Strukturen, die schützen, stärken und Perspektiven eröffnen. Dafür brauchen wir dauerhafte finanzielle Absicherung ebenso wie ideelle Förderung, nicht irgendwann, sondern heute schon für morgen.

Dieser Preis gehört deshalb nicht Einzelnen. Er gehört allen Kolleginnen, Unterstützer:innen, Kooperationspartner:innen und Wegbegleiter:innen und ausdrücklich auch femia, die mit ihrer Nominierung Engagement sichtbar gemacht und Rückenwind gegeben haben.

Danke an den Verband für gesellschaftliches Engagement (VGE) für diese Würdigung.

Und danke an alle, die jeden Tag zeigen: Engagement wirkt. 💜

einander ist alles was wir haben

„Aus frauen- und gleichstellungspolitischer Perspektive wissen wir: Unsichtbarkeit ist selten zufällig. Sie entsteht durch Strukturen, Routinen und vermeintliche Selbstverständlichkeiten – ebenso durch das, was nicht gesehen werden kann oder nicht gesehen werden will.

[…] Ich fordere Sie, Euch und uns auf, gemeinsam für Würde und Menschenrechte einzustehen. 

Der Faschismus ist zurück – und einander ist alles was wir haben.“ 

Es war mir eine große Ehre heute in der Gedenkstätte Lindenstraße am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust sprechen zu dürfen. 

Mein Dank gilt Franziska Schumann und Thomas Götz von der Fördergemeinschaft der Gedenkstätte Lindenstraße für das Vertrauen und die Einladung.

Und danke an Maria Schultz sowie dem Team der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße für die kontinuierliche, unverzichtbare Arbeit des Erinnerns, des Fragens und des Sichtbarmachens.

Bild: Heiderose Gerber
Gedenkstätte Lindenstraße

Endlich: eine Oberbürgermeisterin 🥳

Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel

Die Antrittsrede von Oberbürgermeisterin Noosha Aubel bei der gestrigen Amtseinführung war klar, überzeugend und hat mich einmal mehr darin bestärkt: Es war eine sehr gute Wahl.

Oberbürgermeisterin Noosha Aubel

Ich wünsche dir, liebe Noosha, weiterhin eine breite Unterstützung in der Verwaltung, aus der Politik und der Stadtgesellschaft — gerade dann, wenn es schwierig wird und bspw. der Kampf um knappe Ressourcen beginnt. Ich wünsche dir Menschen an deiner Seite, die dich darin bestärken, authentisch zu bleiben. Menschen, die mit dir Verantwortung übernehmen und für Chancengerechtigkeit, Zuversicht und ein gutes Miteinander einstehen.

Du bringst alles dafür mit — Haltung, Mut und den unbedingten Willen, zuzuhören und gemeinsam zu gestalten. Hoffentlich finden sich viele, die diese Haltung teilen und engagiert mit dir wirken wollen — auch, wenn es mal stürmisch wird.

Es war ein fulminanter Wahlsieg, möge er dich tragen, über Tiefen hinweg, und dir Kraft geben, den kommenden Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen. Und möge deine offene Art, auf Menschen zuzugehen, so motivierend und mitreißend bleiben, wie sie es schon im Wahlkampf war.

Eine von mir sehr geschätzte Verbündete erinnerte mich zum Frauentag an ein starkes Zitat von Madeleine Albright: „Es gibt in der Hölle einen besonderen Platz für Frauen, die andere Frauen nicht unterstützen.“

Auf geht’s. Verbündet sein ist kein Nice to have, sondern eine Grundvoraussetzung für Zukunftsfähigkeit in unserer vielfältigen Gesellschaft.

Fotos: @photoart_potsdam, Cathrin Bauer (Lieben Dank dafür 🩷)