Schwerin wählt

Schloss Schwerin

Die heutige Stichwahl in Schwerin ist mehr als ein lokales politisches Ereignis. Sie ist ein Moment, in dem sich verdichtet, was Demokratie ausmacht: Entscheidung, Verantwortung und die Frage, wer eigentlich mit am Tisch sitzt.

Welche Geschichte erzählen wir?
Ich denke oft darüber nach, dass wir Menschen uns unsere Wirklichkeit auch erzählerisch herstellen. Wir wiederholen bestimmte Bilder von Politik, von Macht, von „wer geeignet ist“ – so lange, bis sie selbstverständlich wirken.

Eine dieser Geschichten lautet: Politik funktioniert schon irgendwie. Eine andere: Es ist nicht so entscheidend, wer genau repräsentiert ist. Aber stimmt das wirklich?

Oder erzählen wir uns damit eine Geschichte, die bestehende Ungleichheiten stabil hält?
Die Stichwahl ist ein Moment, in dem wir diese Erzählung unterbrechen können. Ein Moment, in dem wir uns bewusst fragen: Welche Geschichte soll gelten – morgen, nächste Woche, in den nächsten Jahren?

Eine Geschichte, in der Gleichberechtigung immer noch ein „Thema“ ist?
Oder eine, in der sie endlich gelebte Realität wird?

Zwischen Entscheidung und Repräsentation
Stichwahlen zwingen uns zur Entscheidung. Und genau darin liegt ihre politische Kraft, aber auch ihre Schieflage. Denn je enger die Auswahl wird, desto sichtbarer wird auch, wer fehlt.

Frauen sind in der Politik nach wie vor unterrepräsentiert. Gerade auf kommunaler Ebene, dort, wo Entscheidungen unser Leben unmittelbar betreffen. Das ist kein Zufall und auch kein individuelles Versäumnis, es ist strukturell gewachsen.

WÄHLT FRAUEN. ist für mich kein Slogan, der schnell gesagt ist. Es ist eine Haltung. Eine bewusste Entscheidung, bestehende Machtverhältnisse nicht einfach hinzunehmen, sondern zu verschieben.
Nicht, weil Frauen „besser“ sind. Sondern weil Demokratie nur dann trägt, wenn sie die Vielfalt der Gesellschaft auch abbildet. Weil andere Perspektiven andere Fragen stellen.
Weil andere Erfahrungen andere Prioritäten setzen. Und weil genau das politische Räume verändert.

Stichwahlen bekommen nicht selten weniger Aufmerksamkeit. Vielleicht, weil die große Spannung des ersten Wahlgangs vorbei ist? Vielleicht, weil die Auswahl begrenzter wirkt?

Aber eigentlich ist es genau umgekehrt: Jetzt wird es konkret. Jetzt zählt jede Entscheidung noch mehr.
Wählen ist kein symbolischer Akt. Es ist ein Eingriff in gesellschaftliche Verhältnisse.
Und ja, auch ein feministischer.

Lokale Politik ist nicht „klein“
Kommunalpolitik wird oft unterschätzt. Dabei wird genau hier verhandelt, wie wir zusammenleben: Welche Infrastruktur wir haben, wie soziale Angebote gestaltet sind, wie Teilhabe ermöglicht wird oder eben nicht.
Wenn Frauen hier stärker vertreten sind, verändert sich nicht nur die Besetzung von Ämtern. Es verändert sich, welche Themen Raum bekommen. Wie gesprochen wird. Wie entschieden wird.
Und jetzt?
Die Stichwahl in Schwerin ist eine konkrete Gelegenheit. Keine abstrakte Debatte, kein fernes Ziel.
Sondern eine Entscheidung im Hier und Jetzt.
Wir können die bekannte Geschichte weitererzählen.
Oder wir schreiben sie um. WÄHLT FRAUEN.

Es reicht. Und zwar längst.

Gestern stand ich in Berlin, mitten unter rund 13.000 Menschen. 13.000 Stimmen, die sich nicht länger leise halten. 13.000 Körper, die sichtbar machen: Wir sind viele. Und wir meinen es ernst.

Die Sonne stand über dem Brandenburger Tor, fast friedlich und doch lag etwas anderes in der Luft. Entschlossenheit. Wut. Solidarität.


Zwischen all den Schildern blieb ich immer wieder an einem Satz hängen: „Nicht alle Männer – aber immer wieder Männer.“
Ein Satz, der nicht anklagt, sondern sichtbar macht. Strukturen. Muster. Realitäten, die viel zu lange relativiert wurden. Und dann ist da die Geschichte von Collin Fernandes.
Er hat öffentlich gemacht, was viele kennen und viel zu oft alleine tragen müssen: brutale digitale Gewalt. Was online passiert, ist nicht weniger real. Es ist kein „virtueller Raum“, in dem Dinge weniger zählen. Es ist ein Raum, in dem Menschen verletzt, bedroht und zum Schweigen gebracht werden.
Dass Collien diesen Schritt gegangen ist, braucht Mut. Und es braucht uns alle, damit dieser Mut nicht folgenlos bleibt.

Denn genau darum ging es gestern:
Nicht nur um Sichtbarkeit. Sondern um Konsequenzen. Es kann nicht sein, dass Täter sich sicher fühlen – hinter Bildschirmen, hinter Strukturen, hinter einem System, das zu oft wegschaut. Es kann nicht sein, dass Betroffene kämpfen müssen, um gehört zu werden, um geschützt zu werden, um ernst genommen zu werden.
Was wir brauchen, ist klar:
– Strafrechtliche Konsequenzen für digitale Gewalt
– Echten Schutz für Betroffene
– Strukturen, die Verantwortung übernehmen
Eine Gesellschaft, die nicht relativiert, sondern handelt.


Diese Demo war ein wichtiges Zeichen.
Ein Zeichen dafür, dass wir die Geschichten, die wir uns erzählen, verändern können.
Dass wir nicht länger akzeptieren, dass Gewalt – ob digital oder analog – normalisiert wird.
Dass wir anfangen, eine andere Realität zu schaffen. Eine, in der Schutz vor Tätern steht.
Eine, in der Betroffene nicht allein sind.
Eine, in der sich Täter eben nicht mehr sicher fühlen.

Festival der Taten

Das Festival der Taten läuft noch bis 14.03.26 am Waldcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Unter dem Motto „Zusammen-Tun – wo Begegnung Wirkung entfaltet“ kommen hier viele Menschen zusammen, die Hochschule und Gesellschaft aktiv mitgestalten wollen.

Heute war ich im Rahmen des Festivals beim Workshop „Handlungsstrategien gegen Antifeminismus“. Antifeministische Positionen begegnen uns an vielen Orten – an Hochschulen, bei der Arbeit oder im privaten Umfeld. Im Workshop ging es darum, darüber zu sprechen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam zu überlegen, wie wir in solchen Situationen handlungsfähig bleiben können. Wie zeigen wir Haltung? Wie reagieren wir, wenn Grenzen überschritten werden? Und wie können wir uns gegenseitig stärken?
Ich habe mich sehr über die Offenheit und das Engagement der Teilnehmenden gefreut.

Während des gesamten Festivals ist außerdem die Ausstellung „Gemeinsam gegen Sexismus“ vom gleichnamigen Bündnis im Mensa-Foyer am Waldcampus zu sehen. Sie zeigt, wie Sexismus im Alltag wirkt – und was wir konkret dagegen tun können.
Solche Räume für Austausch, Lernen und gemeinsames Handeln sind wichtig. Veränderung entsteht nicht allein – sie entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, hinschauen und Verantwortung übernehmen.

Wir sehen uns am Waldcampus.

Aus Wut wird Solidarität.

Zu Gast im Studio des rbb bei Brandenburg aktuell

Gestern war ich live zu Gast im Studio von rbb24 Brandenburg aktuell.

Über die Einladung habe ich mich sehr gefreut. Anlass des Gesprächs war eine Frage, die rund um den Internationalen Frauentag immer wieder gestellt wird: Braucht es den Frauentag eigentlich noch? Meine Antwort im Studio war klar: Mehr denn je.


Wir erleben derzeit einen zunehmenden Rechtsdruck und eine wachsende antifeministische Stimmung. Gleichstellung wird wieder stärker infrage gestellt, feministische Errungenschaften werden relativiert oder offen angegriffen. In einer solchen Zeit ist der Frauentag nicht überholt – er ist notwendig. Er erinnert daran, dass Gleichberechtigung kein Zustand ist, den man einmal erreicht und dann abhaken kann. Sie muss immer wieder verteidigt, eingefordert und weiterentwickelt werden.


Drei Dinge, die sich sofort ändern sollten
Im Gespräch habe ich drei Punkte genannt, bei denen sich meiner Ansicht nach jetzt etwas ändern sollte:
1. Parität in politischen Mandaten
Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung, sind in Parlamenten aber deutlich unterrepräsentiert. Eine demokratische Gesellschaft braucht politische Entscheidungen, in denen Frauen gleichberechtigt vertreten sind.


2. Abschaffung des §218
Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper gehört zu den grundlegenden Rechten von Frauen. Schwangerschaftsabbrüche gehören nicht ins Strafgesetzbuch.


3. Mehr Frauen in Führung
Ob in Wirtschaft, Medien oder Wissenschaft – Frauen sind in Spitzenpositionen weiterhin deutlich seltener vertreten. Das zu ändern ist eine zentrale Voraussetzung für echte Gleichstellung.


Wut als Motor für Veränderung
Im Beitrag ging es auch darum, dass Gefühle – insbesondere Wut über Ungerechtigkeit – ein Motor für gesellschaftliches Engagement sein können. Viele Menschen beginnen sich genau dann einzumischen, wenn sie merken: So darf es nicht bleiben. Diese Energie kann Veränderung antreiben. Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Potsdam Claudia Sprengel und die Oberbürgermeisterin Noosha Aubel sind im Beitrag zu sehen.


Ich freue mich über alle, die reingeschaut – und über alle, die sich an der Debatte beteiligen. Denn Gleichstellung lebt davon, dass wir sie immer wieder gemeinsam einfordern.

Feministische Solidarität

Am 7. März kamen im Autonomen Frauenzentrum Potsdam zahlreiche Gäste zusammen, um über eine zentrale Frage zu diskutieren: Wie kann feministische Solidarität heute konkret aussehen?


Auf dem Podium trafen Perspektiven aus Politik, Gleichstellungsarbeit, Kunst und Aktivismus aufeinander. Gemeinsam wurde darüber gesprochen, welche Handlungsmöglichkeiten es in Kommune, Zivilgesellschaft und Kultur gibt – und wie feministische Netzwerke so gestaltet werden können, dass sie nachhaltig, verlässlich und wirksam sind.
Zu den Podiumsgästen gehörten:
🩷 Noosha Aubel, Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam
🩷 Dr.in Fatma Haron, Gleichstellungsbeauftragte Potsdam-Mittelmark
🩷 Dr.in Uta Kletzing, Landesgleichstellungsbeauftragte Brandenburg
🩷 Sookee, Aktivistin und feministische Künstlerin
🩷 Patricia Vester, Illustratorin, Diversity-Trainerin und Prozessbegleiterin
🩷 Claudia Sprengel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Potsdam

Die Moderation übernahm Vanessa Materla,
Im Zentrum der Diskussion standen Fragen nach Verantwortung, Verbündetsein und struktureller Veränderung:
Wie können feministische Anliegen stärker in politische Entscheidungsprozesse eingebracht werden? Welche Rolle spielen Kunst, Aktivismus und Zivilgesellschaft dabei?
Und wie gelingt es, solidarische Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven Platz finden?


Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Austausch, gegenseitige Unterstützung und starke Netzwerke sind. Feministische Solidarität entsteht nicht abstrakt — sie wächst in Begegnungen, Gesprächen und gemeinsamen Initiativen.

Ein inspirierender Abend, der einmal mehr deutlich gemacht hat:
Feministische Solidarität ist eine gesellschaftliche Kraft — und sie lebt davon, dass Menschen sie gemeinsam gestalten.

Frauenstammtisch Falkensee

Gestern war ich zu Gast in Falkensee, beim Frauenstammtisch in Falkensee.

Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut. Wir haben über feministisches Engagement, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage gesprochen, warum Wegschauen keine Option ist. Vielen Dank für die Einladung, den offenen Austausch und das Interesse.
Gerade in bewegten Zeiten braucht es Menschen, die Haltung zeigen, Ungleichheiten sichtbar machen und sich für Gerechtigkeit einsetzen. Der Abend hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig Räume für Gespräche, Perspektiven und gemeinsame Ideen sind.

Ein Engagementpreis fürs Frauenzentrum

Wir sind sehr dankbar und bewegt: Das Frauenzentrum Potsdam wurde mit dem VGE Engagementpreis 2026 ausgezeichnet. Diese Anerkennung gilt der Arbeit vieler Jahre und vor allem den vielen Menschen, die dieses Haus tragen, gestalten und mit Leben füllen. Ein besonderer Dank gilt femia für die Nominierung beim VGE, für das Vertrauen, die Sichtbarkeit und die solidarische Unterstützung unserer Arbeit.

Der Preis würdigt Engagement, das oft leise, manchmal unbequem, aber immer notwendig ist: für Gleichstellung, für Schutz und Stärkung von Frauen, für solidarische Netzwerke und für eine demokratische Gesellschaft, die niemanden zurücklässt. Dass diese Arbeit gesehen wird, ist auch das Ergebnis starker feministischer Bündnisse. 

Diese Bündnisse sein keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Haltung, Beharrlichkeit, fachliche Klarheit und das Vertrauen darin, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Dass femia uns nominiert hat, ist Ausdruck genau dieser gemeinsamen Haltung.

Gleichzeitig ist klar: Unsere Arbeit braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Gemeinsam mit FPR und NbF stehen wir für Strukturen, die schützen, stärken und Perspektiven eröffnen. Dafür brauchen wir dauerhafte finanzielle Absicherung ebenso wie ideelle Förderung, nicht irgendwann, sondern heute schon für morgen.

Dieser Preis gehört deshalb nicht Einzelnen. Er gehört allen Kolleginnen, Unterstützer:innen, Kooperationspartner:innen und Wegbegleiter:innen und ausdrücklich auch femia, die mit ihrer Nominierung Engagement sichtbar gemacht und Rückenwind gegeben haben.

Danke an den Verband für gesellschaftliches Engagement (VGE) für diese Würdigung.

Und danke an alle, die jeden Tag zeigen: Engagement wirkt. 💜