Welche Geschichte erzählen wir?

Unterwegs auf dem Weg zu Konzerten, bei Geburtstagen, beim Spaziergang, beim Radfahren, an Runden Tischen, am Lagerfeuer, bei PRÜF-Demos und beim CSD.

In diesen Bildern steckt vieles von dem, worüber ich seit einer Weile nachdenke:
Wie wir über unsere Zeit und die Gesellschaft sprechen.

Wie wir Probleme beschreiben. Wie wir auf Krisen schauen. Wie schnell Gespräche kippen in Erschöpfung, Empörung und Daueralarm. Wie häufig wir erzählen, was alles nicht funktioniert und wie selten wir gemeinsam darin verweilen, was entstehen könnte.

Ich merke das in politischen Räumen. In aktivistischen Kontexten. In Hochschulen. In Gesprächen mit engagierten Menschen. Und auch in mir selbst.

Natürlich braucht es klare Analysen. Natürlich dürfen wir nicht wegsehen. Diskriminierung verschwindet nicht, nur weil wir freundlicher sprechen. Antifeminismus, rechte Verschiebungen und Angriffe auf demokratische Werte sind real.

Aber ich frage mich zunehmend: Was passiert eigentlich mit uns, wenn unsere gemeinsamen Erzählungen fast nur noch aus Bedrohung bestehen?

Denn Narrative machen etwas mit Menschen. Sie prägen, worauf wir schauen. Was wir für möglich halten. Ob wir handlungsfähig bleiben. Oder ob wir irgendwann nur noch verwalten, verteidigen und reagieren.

Vielleicht brauchen wir andere Erzählungen? Nicht weniger Realität. Aber mehr Vorstellungskraft?

Mehr Räume, in denen wir nicht nur beschreiben, was uns Sorge macht, sondern auch, was wir schützen wollen.

Mehr Gespräche darüber, wie gerechte, eine sorgende und demokratische Gesellschaft aussehen könnte. Wie Beteiligung gelingen kann. Wie Vielfalt nicht nur Konflikt bedeutet, sondern auch Möglichkeit. Wie politische Teilhabe Freude machen darf.

Ich denke oft an den Satz: Menschen erzählen sich Geschichten, bis sie sie selbst glauben.
Leah Czollek sagte ihn einst zu mir.

Vielleicht gilt das auch gesellschaftlich.

Wenn wir uns ständig erzählen, dass alles zerfällt, dass niemand mehr zuhört, dass Engagement nichts bringt, dann stärkt es dieses Gefühl von Ohnmacht.

Und gleichzeitig sehe ich etwas anderes.

Ich sehe Menschen, die Veranstaltungen organisieren. Die sich einmischen. Die kandidieren. Die widersprechen. Die zuhören. Die neue Bündnisse bilden. Die Verantwortung übernehmen.

Ich sehe Menschen, die sich trotz Anfeindungen öffentlich positionieren. Ich sehe Studierende, die kluge Fragen stellen. Ich sehe Menschen, die Schutzkonzepte entwickeln, Demokratie verteidigen, Nachbarschaften stärken oder mit einem Bollerwagen durch Städte fahren, um mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Das alles ist auch Realität.

Vielleicht müssen wir lernen, diese Geschichten lauter zu erzählen. Nicht als naive Gegenwelt. Sondern als demokratische Praxis.

Denn Hoffnung entsteht selten zufällig. Sie entsteht oft dort, wo Menschen anfangen, gemeinsam andere Bilder von Zukunft zu erzählen, oder nicht?

Vielleicht ist genau das gerade eine wichtige Aufgabe: Nicht bei der Diagnose stehen zu bleiben. Sondern wieder mehr darüber zu sprechen, wie wir leben wollen.

Eine Gesellschaft, die schützt. Die Vielfalt nutzt. Die Macht reflektiert. Die Fürsorge nicht als Schwäche versteht. Und in der Menschen erleben, dass ihr Handeln einen Unterschied macht.

Welche Geschichte erzählen wir also?
Und vor allem: Welche Geschichte soll morgen geglaubt werden?

Festival der Taten

Das Festival der Taten läuft noch bis 14.03.26 am Waldcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Unter dem Motto „Zusammen-Tun – wo Begegnung Wirkung entfaltet“ kommen hier viele Menschen zusammen, die Hochschule und Gesellschaft aktiv mitgestalten wollen.

Heute war ich im Rahmen des Festivals beim Workshop „Handlungsstrategien gegen Antifeminismus“. Antifeministische Positionen begegnen uns an vielen Orten – an Hochschulen, bei der Arbeit oder im privaten Umfeld. Im Workshop ging es darum, darüber zu sprechen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam zu überlegen, wie wir in solchen Situationen handlungsfähig bleiben können. Wie zeigen wir Haltung? Wie reagieren wir, wenn Grenzen überschritten werden? Und wie können wir uns gegenseitig stärken?
Ich habe mich sehr über die Offenheit und das Engagement der Teilnehmenden gefreut.

Während des gesamten Festivals ist außerdem die Ausstellung „Gemeinsam gegen Sexismus“ vom gleichnamigen Bündnis im Mensa-Foyer am Waldcampus zu sehen. Sie zeigt, wie Sexismus im Alltag wirkt – und was wir konkret dagegen tun können.
Solche Räume für Austausch, Lernen und gemeinsames Handeln sind wichtig. Veränderung entsteht nicht allein – sie entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen, hinschauen und Verantwortung übernehmen.

Wir sehen uns am Waldcampus.

Aus Wut wird Solidarität.

Zu Gast im Studio des rbb bei Brandenburg aktuell

Gestern war ich live zu Gast im Studio von rbb24 Brandenburg aktuell.

Über die Einladung habe ich mich sehr gefreut. Anlass des Gesprächs war eine Frage, die rund um den Internationalen Frauentag immer wieder gestellt wird: Braucht es den Frauentag eigentlich noch? Meine Antwort im Studio war klar: Mehr denn je.


Wir erleben derzeit einen zunehmenden Rechtsdruck und eine wachsende antifeministische Stimmung. Gleichstellung wird wieder stärker infrage gestellt, feministische Errungenschaften werden relativiert oder offen angegriffen. In einer solchen Zeit ist der Frauentag nicht überholt – er ist notwendig. Er erinnert daran, dass Gleichberechtigung kein Zustand ist, den man einmal erreicht und dann abhaken kann. Sie muss immer wieder verteidigt, eingefordert und weiterentwickelt werden.


Drei Dinge, die sich sofort ändern sollten
Im Gespräch habe ich drei Punkte genannt, bei denen sich meiner Ansicht nach jetzt etwas ändern sollte:
1. Parität in politischen Mandaten
Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung, sind in Parlamenten aber deutlich unterrepräsentiert. Eine demokratische Gesellschaft braucht politische Entscheidungen, in denen Frauen gleichberechtigt vertreten sind.


2. Abschaffung des §218
Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper gehört zu den grundlegenden Rechten von Frauen. Schwangerschaftsabbrüche gehören nicht ins Strafgesetzbuch.


3. Mehr Frauen in Führung
Ob in Wirtschaft, Medien oder Wissenschaft – Frauen sind in Spitzenpositionen weiterhin deutlich seltener vertreten. Das zu ändern ist eine zentrale Voraussetzung für echte Gleichstellung.


Wut als Motor für Veränderung
Im Beitrag ging es auch darum, dass Gefühle – insbesondere Wut über Ungerechtigkeit – ein Motor für gesellschaftliches Engagement sein können. Viele Menschen beginnen sich genau dann einzumischen, wenn sie merken: So darf es nicht bleiben. Diese Energie kann Veränderung antreiben. Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Potsdam Claudia Sprengel und die Oberbürgermeisterin Noosha Aubel sind im Beitrag zu sehen.


Ich freue mich über alle, die reingeschaut – und über alle, die sich an der Debatte beteiligen. Denn Gleichstellung lebt davon, dass wir sie immer wieder gemeinsam einfordern.

Feministische Solidarität

Am 7. März kamen im Autonomen Frauenzentrum Potsdam zahlreiche Gäste zusammen, um über eine zentrale Frage zu diskutieren: Wie kann feministische Solidarität heute konkret aussehen?


Auf dem Podium trafen Perspektiven aus Politik, Gleichstellungsarbeit, Kunst und Aktivismus aufeinander. Gemeinsam wurde darüber gesprochen, welche Handlungsmöglichkeiten es in Kommune, Zivilgesellschaft und Kultur gibt – und wie feministische Netzwerke so gestaltet werden können, dass sie nachhaltig, verlässlich und wirksam sind.
Zu den Podiumsgästen gehörten:
🩷 Noosha Aubel, Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam
🩷 Dr.in Fatma Haron, Gleichstellungsbeauftragte Potsdam-Mittelmark
🩷 Dr.in Uta Kletzing, Landesgleichstellungsbeauftragte Brandenburg
🩷 Sookee, Aktivistin und feministische Künstlerin
🩷 Patricia Vester, Illustratorin, Diversity-Trainerin und Prozessbegleiterin
🩷 Claudia Sprengel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Potsdam

Die Moderation übernahm Vanessa Materla,
Im Zentrum der Diskussion standen Fragen nach Verantwortung, Verbündetsein und struktureller Veränderung:
Wie können feministische Anliegen stärker in politische Entscheidungsprozesse eingebracht werden? Welche Rolle spielen Kunst, Aktivismus und Zivilgesellschaft dabei?
Und wie gelingt es, solidarische Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven Platz finden?


Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Austausch, gegenseitige Unterstützung und starke Netzwerke sind. Feministische Solidarität entsteht nicht abstrakt — sie wächst in Begegnungen, Gesprächen und gemeinsamen Initiativen.

Ein inspirierender Abend, der einmal mehr deutlich gemacht hat:
Feministische Solidarität ist eine gesellschaftliche Kraft — und sie lebt davon, dass Menschen sie gemeinsam gestalten.

25. November – Ein Tag, der uns alle angeht

Am 25. November haben wir an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde gemeinsam mit dem Frauennetzwerk Barnim ein sichtbares Zeichen gesetzt. Wir haben die Flagge gegen Gewalt an Frauen gehisst, uns versammelt, zugehört, gesprochen und uns gegenseitig darin bestärkt, dass ein Angriff auf einzelne Frauen immer ein Angriff auf uns alle ist.

UN Flagge, Nein zu Gewalt an Frauen

Der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist kein gewöhnlicher Gedenktag. Er erinnert uns daran, dass geschlechtsspezifische Gewalt nicht am Rand der Gesellschaft stattfindet, sondern mitten in ihr. Er macht sichtbar, was viel zu häufig verborgen bleibt und fordert uns auf, Haltung zu zeigen.

Jede dritte Frau erlebt in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt. Weltweit wurden im Jahr 2024 über 83.000 Frauen getötet, in 60 Prozent der Fälle durch Partner oder Familienmitglieder. Diese Zahlen sind erschütternd. Aber Zahlen allein verändern nichts. Was verändert, sind Menschen, die sich zusammentun, Verantwortung übernehmen und Räume schaffen, in denen Betroffene ernst genommen und geschützt werden.

Als Gleichstellungsbeauftragte einer Hochschule ist es mir wichtig, den Blick zu verschieben: Weg von der Frage, wie Frauen sich selbst schützen sollen, hin zu der Frage, wie wir als Gesellschaft Bedingungen gestalten, in denen Gewalt keinen Platz hat. Gewaltprävention heißt für mich: Strukturen verändern, Bewusstsein schaffen, Betroffene unterstützen, Institutionen stärken – und niemals wegsehen.

Umso bedeutender war es, diesen Tag gemeinsam zu begehen: Mit Vertreter:innen der Hochschule, der Stadt Eberswalde, des Landkreises Barnim, des Frauennetzwerks, der Lebenshilfe und vielen weiteren Engagierten. Die pinke „Bank gegen Gewalt“ der Stadt Eberswalde steht nun auf unserem Campus – als Mahnung, als Einladung, als Signal des Hinsehens.

Hilfe gibt es jederzeit – anonym, vertraulich, rund um die Uhr.
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016
www.hilfetelefon.de

Wichtig ist, nicht länger zu warten. Es gibt Wege, es gibt Unterstützung, und niemand muss allein bleiben.

Der 25. November zeigt uns jedes Jahr aufs Neue: Wir können Gewalt nicht ignorieren – aber wir können ihr gemeinsam entgegentreten. Mit Haltung, mit Wissen, mit Solidarität und mit der Überzeugung, dass eine gerechte Zukunft für Frauen keine Vision, sondern eine Aufgabe ist

Der RBB berichtet aus Eberswalde

Ein fulminanter Wahlerfolg

Was für ein Wahlabend. Was für ein Zeichen.

Noosha Aubel ist die neue Oberbürgermeisterin von Potsdam. 🩷
Sie hat einen unglaublich klugen, haltungstarken und engagierten Wahlkampf geführt — sachlich, verbindend, nahbar.

Das war und ist sehr beeindruckend.

Ich wünsche Noosha Aubel persönlich alles Gute, viel Erfolg und die nötige Kraft für die kommenden Aufgaben als Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam.
Möge der unterstützende Rückenwind bleiben — aus der Stadtgesellschaft, von vielen verschiedenen Menschen, die Vielfalt leben und Demokratie stärken wollen.

Diese Wahl ist mehr als ein Ergebnis.
Sie ist ein Symbol — für Sichtbarkeit, Vertrauen in weibliche Führung und die Kraft von Haltung. Für all jene, die seit Wochen, Monaten, Jahren sagen: Frauen gehören selbstverständlich in politische Verantwortung.

Als wir vor einigen Wochen WÄHLT FRAUEN. gestartet haben, ging es nicht um eine Person, nicht um einen Namen auf einem Wahlzettel.
Es ging — und geht — um Strukturen.
Darum, dass Frauen* fehlen. Dass sie zu selten vorgeschlagen, unterstützt und gewählt werden. Dass Machtverhältnisse sich nicht von selbst verändern.

Und mit der Wahl zeigt sich: Veränderung ist möglich. Weil Menschen hinschauen. Weil sie bereit sind, neu zu denken, zuzuhören und Verantwortung zu teilen.

Ich bin dankbar für das, was in den letzten Wochen entstanden ist — für all die Gespräche, Diskussionen, Reibungen und Kooperationen.
WÄHLT FRAUEN. hat gezeigt, dass Demokratiearbeit Mut braucht, Haltung, Ausdauer — und dass sie Wirkung entfalten kann. Gemeinsam haben wir etwas bewegt.

Danke an alle, die unterstützt haben.
Und danke, an alle, die noch unterstützen werden.

Diese Wahl ist kein Endpunkt.
Sie ist ein Anfang. Ein Anfang für mehr Gleichstellung, mehr Vielfalt und mehr Vertrauen in die Kompetenz von Frauen.

Denn: Eine Frau zu wählen ist ein Schritt — Strukturen zu verändern ist ein Prozess.

WÄHLT FRAUEN.
Heute, morgen und immer.

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